Nestoris der Xenon-Gruppe in Miniaturform, süditalisch
Material: Schwarzer Glanztonüberzug mit matter roter Verzierung Datierung: 4. Jh. v. Chr. Größe: Höhe 6 cm und Breite 6 cm Gewicht: 35 g Zustand: Sehr guter Erhaltungszustand
Der vorliegende Miniatur-Nestoris aus schwarzem Glanzton ist der Xenon-Gruppe zuzuweisen. Der gedrungene Gefäßkörper sitzt auf einem niedrigen Ringfuß; zwei hochgezogene ausschwingende Henkel sind gegenständig an der Schulter angesetzt. Die Wandung ist durch ein umlaufendes Dekorband gegliedert, das ein Wellenlinienmotiv in matter roter Verzierung zeigt, eingerahmt von horizontalen Linien. Das Gefäß ist vollständig erhalten, der Glanztonüberzug zeigt stellenweise leichte Abriebspuren.
Apulien in Süditalien wurde seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Siedlern kolonisiert. Die griechischen Niederlassungen in Unteritalien und Sizilien übten einen so starken kulturellen Einfluss aus, dass die Römer diese Regionen später unter der Bezeichnung „Magna Graecia“ („Großgriechenland“) zusammenfassten. Von den dortigen Poleis gingen wesentliche Impulse für die Verbreitung griechischer Kultur, Philosophie und handwerklicher Traditionen nach Italien aus, wodurch auch die Entwicklung der römischen Zivilisation nachhaltig geprägt wurde.
Was ist Xenon-Keramik?
Unter der Bezeichnung Xenon-Keramik oder Xenon-Gruppe wird eine Gruppe apulischer Keramik des 4. Jahrhunderts v. Chr. zusammengefasst, die sich durch matte rote Dekorationen auf schwarzem Glanztonüberzug auszeichnet. Das Ornamentrepertoire umfasst vor allem geometrische, florale und abstrakte Motive, während figürliche Darstellungen von Menschen und Tieren vergleichsweise selten sind.
Ihren Namen erhielt die Xenon-Gruppe nach einem Kantharos mit der Inschrift „XENON“, der heute im Liebieghaus in Frankfurt am Main aufbewahrt wird. Dieses Gefäß gilt als Leitstück der Gruppe und diente der archäologischen Forschung als Grundlage für ihre typologische Einordnung.
Bei der Xenon-Gruppe handelt es sich nicht um eine antike Werkstatt oder einen namentlich bekannten Künstler. Der Begriff wurde von der modernen Archäologie eingeführt, um stilistisch eng verwandte Gefäße zusammenzufassen, die vermutlich in mehreren Werkstätten Apuliens hergestellt wurden.
Provenienz: Aus der Sammlung von Axel Guttmann (1944-2001), Berlin. Zuletzt in Sammlung A.G. ab 2001. Zuvor erworben von H. L. in Krefeld 1993/1994 auf dem deutschen Kunstmarkt.
Echtheit: Die Echtheit wird, wie bei allen unseren Objekten, ohne zeitliche Einschränkung garantiert. Schutz von Kulturgütern: Alle von uns angebotenen Artefakte entstammen renommierten Sammlungen und wurden auf Kunstauktionen sowie aus Nachlässen erworben.